Weisser Riese: Sprengung löst Probleme nicht
Thorsten Jannoff, Gelsenkirchen. Im Sommer wurde der dritte der sechs sogenannten Weissen Riesen in Duisburg gesprengt. Das hat die grundlegenden Probleme aber nicht gelöst. Zwar wurde damit ein unbewohntes Gebäude entfernt – unter hohem Verlust an grauer Energie – doch die Menschen in einem der verbleibenden Häusern leben weiterhin in schwierigen Verhältnissen. Dort verhindert eine komplizierte Eigentümerstruktur mit vielen einzelnen Eigentümern, dass notwendige Sanierungsmaßnahmen abgestimmt und umgesetzt werden können. In dem bewohnten Hochhaus bestehen weiterhin massive Missstände. Müll wird aus Fenstern geworfen, Paketdienste verweigerten zeitweise die Zustellung, Aufzüge fallen häufig aus und die Müllabfuhr funktioniert nicht zuverlässig. Viele Bewohnerinnen und Bewohner stammen aus Südosteuropa oder sind Geflüchtete mit zum Teil großen Integrationshemmnissen – doch es fehlt an Betreuung und Unterstützung. Stattdessen setzt die Stadtverwaltung auf ein Vorgehen, das darauf abzielt, insbesondere Menschen aus Südosteuropa aus sogenannten „Schrottimmobilien“ zu verdrängen. Dabei werden teilweise Bewertungsmaßstäbe für die Gebäude angelegt, die – würden sie konsequent auch auf vergleichbare Häuser mit anderer Bewohnerschaft angewandt – ebenfalls zu deren Schließung führen müssten.
(Zusammenfassung eines Gesprächs mit Herbert Fürmann, Ratsmitglied Die Linke Duisburg).
Abb. (PDF): “Weisser Riese“ vor der Sprengung
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