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Romain Rolland: „Über den Gräben“
Matthias Paykowski, Karlsruhe. Romain Rolland (1866–1944) war eine der wenigen öffentlichen Stimmen unter den Schriftstellern und Literaten in Frankreich und Deutschland, die dem nationalistischen Sog, dem militaristischen Taumel des „Grande Guerre“ von 1914 bis 1918 nicht folgten. Der in Frankreich als „Der Große Krieg“ bezeichnete Erste Weltkrieg setzte Rollands Hoffnungen auf ein friedliches Miteinander der europäischen Völker, auf nachbarschaftliche Beziehungen, auf Völkerverständigung und freundschaftlichen Austausch abrupt ein Ende.
Rolland führte Tagebuch, er hielt seine Beobachtungen, Erfahrungen und Stimmungen von 1914 bis 1919 auf über 2000 Seiten fest. Unermüdlich, unbeirrt, oft verzweifelt kritisierte er die Kriegsparteien, und all diejenigen, die mit wehenden Fahnen über Nacht zu Kriegsbefürwortern und Kriegshetzern geworden waren, ihre Kriegsbegeisterung und ihren hasserfüllten Chauvinismus auslebten.
Mit einem Eintrag am 31. Juli 1914 begann die Neuauflage der Tagebücher, die aus Anlass seines 150. Geburtstages 2015 in Auszügen neu veröffentlicht wurden.(1) Es ist der Tag des Kriegsbeginns, den Rolland in der Schweiz erlebte. Er schreibt vom Duft der Glyzinien, der in der Nacht schwebt „und die Sterne funkeln in so reinem Glanz! In diesem göttlichen Frieden und in dieser zarten Schönheit beginnen die Völker Europas das große Morden.“
Rolland beschloss, nicht zurück nach Frankreich zu gehen, sondern in der Schweiz zu bleiben. Er arbeitete ehrenamtlich in der Auskunftsstelle für Kriegsgefangene beim Internationalen Roten Kreuz, täglich konfrontiert mit den unmittelbaren Folgen des Krieges abseits der Front und der Schützengräben.
1916 wurde ihm nachträglich für das Jahr 1915 der Literaturnobelpreis zuerkannt – für seinen Fortsetzungsroman „Jean-Christophe“.
Von 1904 bis 1912 hatte er an diesem zehnbändigen Werk geschrieben – ein Plädoyer für die deutsch-französische Freundschaft, und gegen die Bestrebungen, die eigene Identität über das Bild eines Erbfeindes zu definieren.
Abb. (PDF): Titelblätter der genannten Bücher
Quellen: (1) Romain Rolland: „Über den Gräben – Aus den Tagesbüchern 1914-1919“. Verlag C.H.Beck 2015, 175 Seiten. Textgrundlage: Romain Rolland: Das Gewissen Europas. Tagebuch der Kriegsjahre 1914-1919. 3 Bände. Verlag Rütten & Loening, 1963 -1974. (2) Romain Rolland. Jean-Christophe. Erstmals von 1904 bis 1912 als Fortsetzungsroman in der Literaturzeitschrift Les Cahiers de la Quinzaine veröffentlicht. Erste deutsche Übersetzung: Literarische Anstalt Rütten & Loening, 1917. Nachzulesen bei: www.projekt-gutenberg.org – Johann Christof. Dort sind auch weitere Romane von Romain Rolland zu finden. – Als weiteres Zeitdokument: Romain Rolland, Stefan Zweig: Von Welt zu Welt – Briefe einer Freundschaft 1914-1918. Aufbau Verlag, Berlin 2014.
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